Ausflug · Rheinland

Weinberge vor der Haustür.
Drei Herbst-Ausflüge ab Köln.

Engel & Flamme · 4 Min. Lesezeit
HEAVEN Rosé von Engel & Flamme im Weinkühler mit Glas direkt am Rheinufer im warmen Abendlicht
Warmes Licht am Rhein. Im Herbst gibt es das schon am Nachmittag.

Für Weinberge musst du nicht in den Süden. Die schönsten liegen eine Zugfahrt von Köln entfernt, und im Herbst haben sie ihren großen Auftritt.

Köln fühlt sich nicht wie eine Weinstadt an, liegt aber mitten zwischen dreien der schönsten Weinlandschaften, die dieses Land hat: das Ahrtal im Süden, das Siebengebirge direkt am Rhein, der Mittelrhein ein Stück dahinter. Alle drei erreichst du mit der Bahn, alle drei sind im Herbst am schönsten, wenn sich das Laub in den Hängen färbt.

Eins vorweg: Das hier ist kein Wanderführer. Uns interessieren keine Höhenmeter und keine Ausrüstungslisten. Uns interessiert, wann das Licht am schönsten auf den Reben steht. Denn genau dafür fährst du im Herbst raus: für die eine Stunde, in der ein ganzer Hang zu leuchten anfängt.

Ahrtal: von Ahrweiler nach Dernau

Der Klassiker, und das völlig zu Recht. Mit der Bahn brauchst du ab Köln etwa eineinviertel Stunden, mit Umstieg in Bonn oder Remagen. Seit Dezember 2025 fährt die Ahrtalbahn wieder durchs ganze Tal, und schon die Fahrt an der Ahr entlang stimmt dich auf den Tag ein.

Der Rotweinwanderweg zieht sich insgesamt 36 Kilometer durch die Hänge. Du nimmst dir das schönste Stück: von Ahrweiler nach Dernau, rund acht Kilometer, gut zwei Stunden reine Gehzeit. Erst durch die Altstadt von Ahrweiler, dann hoch in die Reben, und ab da läufst du auf halber Höhe durchs Tal. An der Bunten Kuh, einem Felsvorsprung hoch über der Ahr, machst du die erste lange Pause. Die zweite im Kloster Marienthal: ein ehemaliges Kloster von 1137 mitten in den Weinbergen, heute ein Weingut, in dessen Hof du einkehrst.

Der beste Moment gehört dem späten Nachmittag, auf dem Stück zwischen Marienthal und Dernau. Die Sonne fällt dann flach durchs Tal, und weil an der Ahr fast überall Spätburgunder wächst, färbt sich das Laub im Oktober nicht einfach gelb, sondern tiefrot und golden. Wenn das letzte Licht da durchgeht, glüht der ganze Hang. Zurück bringt dich die Ahrtalbahn ab Dernau.

Siebengebirge: Oberdollendorf für den halben Tag

Der kürzeste Ausflug auf dieser Liste, und der mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Aussicht. Ab Köln fährst du nach Bonn und steigst dort in die Linie 66, nach insgesamt etwa einer Stunde stehst du in Oberdollendorf am Fuß der Reben.

Der Weinwanderweg Oberdollendorf ist nur gut zwei Kilometer lang und führt durch die Lagen Laurentiusberg, Rosenhügel und Sülzenberg. Klein, aber mit Geschichte: Den Weinbau haben hier im 12. Jahrhundert die Mönche des Klosters Heisterbach angefangen. Eingekehrt wird im Gut Sülz, einem ehemaligen Hof genau dieses Klosters, heute ein Weinhaus mit Weingarten zwischen den Reben.

Und jetzt der Grund, warum Oberdollendorf auf diese Liste gehört: Die Hänge schauen nach Westen übers Rheintal. Die Abendsonne fällt also direkt auf die Reben, und du siehst ihr über dem Fluss beim Untergehen zu. Deshalb funktioniert dieser Ausflug auch andersrum, nicht als Tagestour, sondern als später Nachmittag, der in der goldenen Stunde endet und danach gemütlich im Weingarten ausklingt.

Weinglas im Gegenlicht der tiefen Sonne am Rheinufer mit Blick über den Fluss
Die letzte Stunde vor Sonnenuntergang. Genau dafür fährst du raus.
Drei Täler, drei Lichtstimmungen, alle eine Zugfahrt entfernt.

Mittelrhein: Bacharach, die Postkarte

Die weiteste Fahrt, der größte Auftritt. Die RB26 fährt direkt ab Köln, linksrheinisch, gut zwei Stunden, und spätestens ab Koblenz ist die Fahrt selbst schon Teil des Ausflugs: Burgen, Reben, und der Zug bleibt fast die ganze Zeit am Wasser.

Bacharach ist dann die Belohnung. Fachwerk, eine Stadtmauer mit Türmen, und die Weinberge fangen direkt über den Dächern an. Steig zum Postenturm hoch, einem alten Turm der Stadtbefestigung, der heute Aussichtspunkt ist: Von oben liegt dir die Stadt zu Füßen, die Reben ziehen sich die Hänge hoch, dahinter fließt der Rhein. Danach durch die Gassen zur Weinstube Zum Grünen Baum, einem Haus von 1421, in dem das eigene Weingut ausschenkt. Das hier ist Riesling-Land, und warum gerade Weißwein im Herbst erst richtig anfängt, haben wir hier aufgeschrieben.

Das schönste Licht kommt am Nachmittag, wenn die Sonne flach über dem Fluss steht und das andere Ufer zu leuchten anfängt. Gönn dir den Blick vom Postenturm einmal mittags und einmal kurz vor der Rückfahrt. Es ist zweimal eine andere Stadt.

Der Herbst spielt für dich

Die Formel für alle drei Routen ist dieselbe: Die letzte Stunde vor Sonnenuntergang ist die beste. Flaches Licht von hinten macht aus jedem Weinblatt eine kleine Lampe, und im Oktober kommt die Färbung dazu. Plane also rückwärts: erst schauen, wann die Sonne untergeht, dann die Route so legen, dass du zur goldenen Stunde oben stehst und nicht am Bahnhof. Welche Farben in genau diesem Licht am besten aussehen, steht in unserem Golden-Hour-Guide. Und wenn dir ein Tag zwischen Reben nicht reicht: Für ein ganzes Wein-Wochenende am Bodensee haben wir die Route schon fertig, direkt dahin, wo unser eigener Wein wächst.

Nimm dir das Licht mit nach Hause.

HELL, unser Weißwein vom Bodensee: frisch, klar, wie ein heller Herbsttag in den Reben. Merk dir deine Flaschen vor.

Zum Wein

Noch nicht durstig? Der Kreis erfährt es zuerst.

Häufige Fragen

Wie kommt man mit der Bahn von Köln ins Ahrtal?

Mit Umstieg in Bonn oder Remagen in die Ahrtalbahn, insgesamt etwa eineinviertel Stunden. Seit Dezember 2025 fährt die Ahrtalbahn wieder durchs ganze Tal. Für den Rotweinwanderweg steigst du in Ahrweiler aus, zurück geht es ab Dernau.

Wie lang ist der Rotweinwanderweg von Ahrweiler nach Dernau?

Rund acht Kilometer, gut zwei Stunden reine Gehzeit. Mit Aussichtspausen an der Bunten Kuh und einer Einkehr im Kloster Marienthal wird daraus entspannt ein halber Tag. Der ganze Weg zieht sich 36 Kilometer durchs Tal, du nimmst dir einfach das schönste Stück.

Welcher Weinberg-Ausflug ab Köln ist der kürzeste?

Oberdollendorf im Siebengebirge: ab Köln nach Bonn und dort in die Linie 66, insgesamt etwa eine Stunde. Der Weinwanderweg vor Ort ist gut zwei Kilometer lang und passt damit auch in einen späten Nachmittag, der in der goldenen Stunde endet.

Wann ist das Licht in den Weinbergen am schönsten?

In der letzten Stunde vor Sonnenuntergang, wenn die Sonne flach steht und das Laub von hinten durchleuchtet. Im Oktober kommt die Färbung dazu, an der Ahr tiefrot durch den Spätburgunder, am Rhein golden. Plane die Route so, dass du zur goldenen Stunde an einem Aussichtspunkt stehst.

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